
Taeko ist eine an den Rollstuhl gefesselte Bestsellerautorin. Ihre Stories sind grotesk,geradezu skandalös. Ihr momentanes Werk dreht sich um den Leidensweg der 12-jährigen Mitsuko. Sie lebt mit ihren reichen Eltern zusammen in einer prunkvollen Wohnung. Doch ihr Vater missbraucht sie, sperrt sie in einen Cellokasten mit einem kleinen Guckloch und dann muss sie ihren Eltern beim Sex zusehen. Danach werden die Rollen getauscht; die Mutter wird eingesperrt und der Vater vergeht sich widerrum an seiner Tochter. Das Familienleben ist zerrüttet,die schöne Mutter die immerzu liebevoll mit ihrer Tochter umgangen ist, wird plötzlich abweisend, eifersüchtig gegenüber Mitsuko. Drangsaliert von ihrer Mutter, zieht sich Mitsuko in ihre verstörende Fantasiewelt zurück. Taekos neuer Assistent Yuji, von ihr liebevoll Robo genannt, hat beim Lesen des Skripts den schockierenden Verdacht,das die Bestsellerautorin ihre eigene entsetzliche Kindheit verarbeitet hat.
Die Autorin lebt in einer grotesk eingerichteten Wohnung, genauso grotesk ist auch ihre Persönlichkeit. Bis auf ihre Assistenten und Verleger weiß niemand wie sie aussieht. Sie wirkt wie ein Geist, keiner weiß wo sie herkommt oder ob Taeko überhaupt ihr richtiger Name ist. Was hat es mit dem Hinterraum auf sich neben ihrer Wohnung? Kann sie wirklich nicht laufen? Wieso redet sie nicht über ihre Vergangenheit?
Fragen über Fragen. Erst als überladener, bunter und schriller Zirkus getarnt, entwickelt sich der Film zu einem Horrortrip durch den Kopf einer hoffnungslos kranken Frau. Man entwickelt wahnsinniges Mitleid mit ihrem (vermutlichen) Alter Ego Mitsuko. Das arme Kind, geschunden von der Mutter, vernachlässigt vom sexbessessenen Vater und der Teufelskreis schließt sich mit der Gefangenschaft des Rollstuhls. Der wird widerrum eine tragende Rolle im weiteren Verlauf der Handlung sein. Fantasie und Wahrheit liegen in dieser Geschichte sehr nah beieinander und es eröffnet sich eine bizarre Parallelwelt, die vollkommen undurchsehbar ist und gegen allen Erwartungen entspricht.
Sion Sono ist bekannt für seine gesellschaftskritischen Werke, vor allem weil sie allesamt grotesk inszeniert sind und so manchen mit mehr Fragen zurücklassen als in dem Film selbst gestellt werden. Auch genau bei Strange Circus ist das der Fall. Man darf nicht so viel hinterfragen, allerdings ist man auch gefordert nachzudenken über die Moral und das Handeln der Charaktere. Allerdings legt der Film nicht viel auf typische Horrorelemente, sondern zeichnet sich eher durch seine Groteske, radikale und schonungslose Erzählweise aus. Und das Ende ist der totale Wahnsinn!
9/10 Punkte