EKEL (1965 ) mcone

Ich und der Film

Die beiden belgischen Geschwister Carol und Hélène leben in London zusammen in einem Appartement. Carol arbeitet als Kosmetikerin in einem Schönheitssalon, sie ist sehr introvertiert und träumt den ganzen Tag vor sich hin. Sie hat ein gestörtes, hasserfülltes Verhältnis zu Männern. Michael ,den Freund ihrer Schwester hasst sie genauso, ständig ist er bei ihnen und hinterlässt eine persönlichen Sachen im Badezimmer. Als ein Verehrer Carol einen Kuss gibt, läuft sie angewidert weg und putzt sich sofort die Zähne. Als Hélène und Michael schließlich in den Urlaub fahren und Carol alleine in der Wohnung lassen, bricht bei ihr die blanke Paranioa aus. Sie verschanzt sich und verfällt immer weiter in schizophrene Wahnvorstellungen.

Der Wahn und ihre Aversion gegenüber Männern lässt Carol zur Verrückten werden. Die einzige Konstante in ihrem Leben war ihre große Schwester, die sie immer behütet hat wie ein Kleinkind. Doch jetzt ist sie weg und Carol muss sich ganz allein der traurigen und harten Männerdominierten Realität stellen.

Roman Polanski begann mit EKEL eine Erfolgstrilogie. Neben Rosemary’s Baby (1968) und Der Mieter (1976) spielen alle drei Filme in einem Haus bzw. In einer Wohnung, in der nicht alles so scheint wie es nach außen gezeigt wird.

Dafür das der Film schon alt ist und in Schwarzweiß, hat er nichts von seinem Schockeffekt einbüßen müssen. Er zeigt das Psychogramm eines zutiefst traumatisierten Mädchens was ohne Hilfe nicht durch ihren normalen Alltag kommt. Natürlich sind hier und da ein paar Sachen extrem altmodisch, allerdings hat man einen sehr schönen nostalgischen Einblick in ein Leben vor dem Feminismus, wo „klassische“ Geschlechterrollen noch galten und wie man mit „hysterischen“ Frauen damals umgegangen ist.

9/10 Punkten

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